#118 Von der Krise zur Chance – wie KMU sich in der Konjunktur behaupten

Zukunft KMU – Der Podcast für digitale Transformation

Konjunkturflaute, Investitionszurückhaltung, Unsicherheit bei Kunden und Märkten – viele kleine und mittelständische Unternehmen stehen aktuell unter Druck. Doch ist die Krise wirklich nur ein Risiko? Oder kann sie zum Ausgangspunkt für neue Chancen werden?

In dieser Podcastfolge von „Zukunft KMU“ sprechen wir darüber, wie sich KMU in wirtschaftlich schwierigen Zeiten behaupten, strategisch neu ausrichten und sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen können.

Gemeinsam mit unserem Gast beleuchten wir die aktuelle Konjunkturlage aus Mittelstands-, Startup- und Investorenperspektive und ordnen ein, welche Reaktionen sinnvoll sind – und welche langfristig gefährlich werden können.

Im Gespräch klären wir unter anderem:

– Warum viele KMU in der Krise instinktiv bremsen – und wann genau das zum Problem wird

– Welche typischen Fehlreaktionen Unternehmen in konjunkturellen Schwächephasen zeigen

– Wie sich Investitions-, Innovations- und Wachstumslogiken in Krisenzeiten verändern

– Warum gerade jetzt neue Geschäftsmodelle, Services oder Ausgründungen entstehen können

– Wie KMU Fokus, Strategie und Ressourcen richtig priorisieren

– Welche Rolle Digitalisierung, Automatisierung und neue Technologien wirklich spielen

– Warum Nichtstun oft riskanter ist als gezielte Veränderung

Diese Folge richtet sich an Geschäftsführer:innen, Entscheider:innen und Verantwortliche im Mittelstand, die verstehen wollen, wie sie trotz Konjunkturdruck handlungsfähig bleiben – und aus der Krise eine echte Chance machen können.

Das Transkript zur Podcast-Folge: Von der Krise zur Chance – wie KMU sich in der Konjunktur behaupten

ANDREA SPIEGEL: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Zukunft KMU. Wir sehen es aktuell alle: Die Wirtschaft schwächelt, die Konjunktur ist nicht gerade auf dem Höchststand, den man sich wünschen würde. Ich glaube, Unsicherheit prägt viele Entscheidungen aktuell im Mittelstand, gerade in KMUs. Alles, was sich um die Themen von Investitionen bis Personal dreht, da ist aktuell entweder sehr viel Bewegung drin oder gar keine.

In diesen Phasen entscheidet sich, welche Unternehmen am Ende noch da sind, welche vorne mitschwimmen und welche vielleicht hinten dranbleiben. Wie das alles funktioniert und was man da tun kann, dafür haben wir uns heute einen spannenden Gast eingeladen. Der ein oder andere kennt ihn vielleicht noch: Bei mir ist heute Christoph Haß. Er ist Geschäftsführer bei Possehl Digital, einem Teil der Possehl Gruppe. Ich freue mich, dass du wieder da bist.

CHRISTOPH HAß: Vielen Dank für die Einladung. Hat letztes Mal schon richtig Freude gemacht und ich hoffe, dass ich ein paar Insights aus dem Mittelstand mitbringen kann.

ANDREA SPIEGEL: Das glaube ich auf jeden Fall. Wie immer an der Stelle kurz für euch der Hinweis: Wir haben das Video auch auf YouTube gehostet, schaut da gerne mal vorbei, lasst uns einen Like da oder ein Abo für unseren Kanal. Christoph, wie gesagt, man kennt dich, du hast schon mal ein bisschen was über dich erzählt, aber vielleicht magst du trotzdem nochmal kurz einen Einblick geben: Wer bist du, was macht Possehl Digital und wie hängt es in der Gruppe bei euch zusammen?

CHRISTOPH HAß: Sehr gerne. Ich bin Christoph Haß, seit knapp vier Jahren bei Possehl Digital als Geschäftsführer der Possehl Digital GmbH. Wir sind ein Geschäftsbereich, eine Beteiligungsholding der Possehl Gruppe. Um das Ganze kurz einzuordnen: Possehl ist eine Unternehmensgruppe, knapp 200 Jahre alt. Die Besonderheit ist vor allem industrieller Mittelstand – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau.

Da wir von einer Stiftung getragen werden, haben wir das Ziel, langfristig Vermögen aufzubauen und zu erhalten. Die Besonderheit: Wir haben sehr diversifizierte Unternehmensbereiche mit der Idee, dass wenn es konjunkturell mal nicht so gut läuft, der eine Bereich besser funktioniert und der andere anzieht – Bau, Edelmetalle und so weiter.

Possehl Digital ist dafür da, einerseits die Digitaltransformation der Possehl Gruppe voranzutreiben. Das heißt, wir investieren in Digitalfirmen, beteiligen uns an denen, arbeiten mit ihnen zusammen –ich würde nicht behaupten, dass das nur Start ups sind sondern junge digitale Firmen mit verschiedensten Angeboten. Auf der anderen Seite wollen wir damit Geld verdienen und für die Stiftung einen langfristigen Ertrag generieren.

Wir haben einen doppelten Hebel: Mit der Beteiligung entwickeln wir die Gruppe, den Mittelstand und können danach der Beteiligung auch etwas Gutes tun. Die größere Vision ist aus dem Mittelstand für den Mittelstand. Wie man so schön sagt: Eat your own dog food. Ich kann über die Sachen, über die ich gleich spreche, sehr ehrlich sprechen, weil wir das tagtäglich bei uns in der Gruppe machen. Das ist ein typisch deutscher industrieller Mittelständler.

ANDREA SPIEGEL: Das ist auch das Schöne. Deswegen laden wir dich auch gerne ein, weil du wirklich Insights bieten kannst, die relevant für unsere Zielgruppe sind.

CHRISTOPH HAß: Ich versuche es, so gut ich kann.

ANDREA SPIEGEL: Sehr gut, das machen wir gleich zusammen. Du weißt aber, am Anfang gibt es immer noch eine kleine persönliche Frage, die überhaupt nichts mit unserem Thema zu tun hat. Wenn du heute nach der Folge anfangen solltest, ein Buch zu schreiben – welches Genre wäre das und worum würde es gehen?

CHRISTOPH HAß: Gute Frage. Ich habe vor Anfang des Jahres ein Buch gelesen, da hat ein Schriftsteller Reden dargestellt, die er gehalten hat. Diese Reden haben viel auf soziale Not hingewiesen und er hat das als Essays und Reden zusammengefasst. Das fand ich ganz charmant. Vielleicht würde ich keine Biografie schreiben, sondern spannende Gespräche und Diskussionen mit Menschen zusammenfassen und in einen Band packen. In meinem Job erlebe ich viele spannende Menschen und habe interessante Begegnungen wie heute. Das mal in so einer Art Essay zusammenzufassen, vielleicht in diese Richtung.

ANDREA SPIEGEL: Cool, finde ich eine gute Idee. Solltest du vielleicht mitnehmen. Wenn du jetzt eine Automatisierung hast – Christoph hat im Vorgespräch schon verraten, was er gerade mit KI macht – vielleicht kann die KI dir helfen, ein Buch zu schreiben.

CHRISTOPH HAß: Definitiv.

ANDREA SPIEGEL: Gut, steigen wir tiefer ein.

ANDREA SPIEGEL: Wir wollen uns anschauen, mit welchen Unsicherheiten KMU aktuell zu kämpfen haben, vor welchen Herausforderungen sie stehen, gerade in Bezug auf die wirtschaftliche Lage. Beim Thema Aufträge, Investitionen und Personal – da vorab der kleine Spoiler: Es gibt noch eine zweite Folge mit Christoph, wo wir das Thema Personalmangel, Automatisierung und Co. tiefer beleuchten.

Aber vielleicht kannst du beleuchten: Ihr seid auch ein Mittelständler am Ende des Tages. Wie nimmst du die aktuelle konjunkturelle Lage wahr und welche Auswirkungen hat das für den Mittelstand?

CHRISTOPH HAß: Ich bin erst mal in dem Lager, nicht immer nur zu meckern und zu sagen, alles ist schlecht. Das höre ich überall. Wir sind jetzt Anfang des Jahres, nächste Woche ist eine große Konferenz, wo viel industrieller Mittelstand unterwegs ist, hier bei euch in der Region. Letztes Jahr war da nur Gemeckere und das fand ich nicht gut. Am Ende haben wir es selbst in der Hand, wenn wir über Wettbewerbsfähigkeit und Leistung sprechen.

Ich will nicht verschönigen und sagen, es ist alles gut. Das erleben wir auch mit unseren Beteiligungen, denn die sind Lieferanten und wenn ein Kunde hustet, haben wir Fieber. Aber ich glaube, dass viel zu viel negatives Narrativ verbreitet wird. Wir müssen an strukturellen Herausforderungen arbeiten. Ich kann nicht die große Politikthematik machen, aber das übergeordnete Thema ist Wettbewerbsfähigkeit. Da müssen wir besser werden, auch in Deutschland und vor allem in unseren mittelständischen Unternehmen.

Wir müssen uns die Frage stellen: Was machen wir eigentlich selbst, was machen andere? In der Vorbereitung habe ich nachrecherchiert: Es gibt Telegram, einen Messenger-Dienst – ein Tech-Unternehmen mit einer Bewertung von 30 Milliarden – also echt hoch – und es sind 30 Entwickler, die diese App bauen. Nicht mehr! Was finde ich daran so genial? Das bedeutet, dass man mit wenig Leuten, mit Effizienz und anderen Sachen auch so etwas machen kann und nicht gleich 3.000 Leute einstellen muss.

Diese Fragestellung – wie werden wir wettbewerbsfähiger, wie können wir Automatisierung nutzen – das haben wir selbst in der Hand. Wir müssen es machen. Auch wenn immer Weltuntergangsstimmung gemacht wird: Ja, wir haben nicht die krassesten KI-Tech-Unternehmen. Aber was wir noch werden können, sind Anwendungsweltmeister. Vielleicht sind wir nicht die, die das bauen, aber wir können Anwendungsweltmeister werden in Industrial AI. Von daher sehe ich das gar nicht so schwarz.

Ich sehe es praktisch bei unseren Beteiligungen: Wir können auch noch große Aufträge gewinnen. Wenn man den Nutzen nach vorne stellt, wenn man sieht, dass das wirklich einen Mehrwert hat, dann sind auch die Automotives, die in den Nachrichten geschunden werden, bereit, innovative Projekte zu machen.

ANDREA SPIEGEL: Okay. Worte, die ich gehört habe, um das zusammenzufassen: Meckern hilft nicht, lasst uns lieber anpacken. Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben. Wie schaffen wir das? Durch Effizienz, Automatisierung und am Ende vielleicht auch durch KI-Anwendung.

CHRISTOPH HAß: Und die Frage Make or Buy, die finde ich so wichtig.

ANDREA SPIEGEL: Auch ein spannender Punkt.

ANDREA SPIEGEL: Du hast noch ein Wort nicht explizit genannt, aber das habe ich unterschwellig rausgehört: das Thema Unabhängigkeit.

In welchem Kontext siehst du das? Geht es darum, dass Firmen unabhängig vom Wettbewerb sind, oder unabhängig von großen Lösungen?

CHRISTOPH HAß: Es gibt den großen Begriff digitale Souveränität, der seit Monaten und Jahren immer stärker wird. Den halte ich für nicht so richtig passend – mehr so ein Marketingbegriff. Ich finde aber, wenn du das Thema Abhängigkeit ansprichst: Wir sollten uns von keinem abhängig machen, sei es ein großer deutscher ERP-Hersteller oder eine große amerikanische KI-Anwendungsfirma.

Der Mittelstand sollte sich überlegen: Klar, wir wollen keine komplett diversifizierte Tool- und System-Landschaft haben, aber wir sollten uns die Frage stellen, ob andere uns einfach Preise diktieren können. Das ist auch wieder die Frage: Was mache ich selbst, was machen andere, oder habe ich hybride Strukturen im System? Das ist ganz wichtig und das ist auch ein Wettbewerbsthema.

Wenn man sich anguckt, welche großen Lösungen bei klassischen Unternehmen in der Produktion, im Office in Anwendung sind: Müssen alle diese Lösungen haben, oder kann man vielleicht auch zwei Systeme haben? Das eine ist vielleicht günstiger. Nicht jeder braucht die hochintensiven Mail-Programme. Da sollte man tiefer gucken, wie man Kosten sparen kann. Die Lizenzkosten sind wahnsinnig teuer.

ANDREA SPIEGEL: Ja, das ist das Schöne: Es gibt heute alles im Abo, man muss sich auf nichts committen, aber gleichzeitig werden diese vielen Abos summiert ein ordentlicher Batzen, wenn man nicht aufpasst.

CHRISTOPH HAß: Ich habe gestern mit einem Unternehmer gesprochen, der sehr viel im KI-Umfeld macht. Der hat erzählt, dass die – 30 oder 40 Leute – mittlerweile 30.000 Euro pro Monat Software-as-a-Service-Kosten haben – wahnsinnig hohe Summen, weil die natürlich diese ganzen Tools nutzen. Da kann man sich schon mal die Frage stellen: Was sind diese Abo-Fallen? Das wird richtig teuer.

ANDREA SPIEGEL: Und werden die auch alle wirklich genutzt, sodass sie ihr Geld wert sind?

CHRISTOPH HAß: Genau, aber richtig genutzt.

ANDREA SPIEGEL: Ja, absolut.

ANDREA SPIEGEL: Die Make-or-Buy-Frage würde ich gleich nochmal konkretisieren. Mich würde aber noch interessieren: Siehst du aktuell, dass wir wirklich in einem Krisenherd stecken, oder sagst du, man könnte es auch als Chance betrachten? Ist es wirklich gerade so eine Zäsur in der aktuellen Wirtschaft?

CHRISTOPH HAß: Wenn man das geopolitisch betrachtet, würde ich sagen, es ist schon eine Zäsur. Die spannende Frage ist, wie es sich weiterentwickelt – ob das nur an der Regierung in Amerika liegt oder ob das danach anders geht. Diese ganzen Systeme, die es immer schon gab, gibt es so nicht mehr. Da hat sich etwas verändert.

Man wacht jeden Morgen auf und guckt, was in Amerika passiert ist. Das ist schon Wahnsinn, wenn man sich Davos oder andere Sachen anguckt. Was ich daran so schade finde: Das lenkt von den echten Problemen ab. Diese großen geopolitischen Themen nerven und man fragt sich: Muss das sein? Sollten wir uns nicht lieber mit Sozialreformen und solchen Themen beschäftigen?

Ich glaube, wir haben große Herausforderungen in Deutschland. Wenn man den Mittelstand fragt: Energiekosten, Standortfaktoren – da gibt es viele Fragestellungen und Kosten, die Wettbewerbsfähigkeit zum Problem machen, sei es Personalkosten. Wir kommen im Zweifel gar nicht in der Debatte dazu, das zu machen, weil wir immer diese großen Schlagzeilen haben. Das ist ein Problem.

ANDREA SPIEGEL: Das heißt, die lenken von den Themen ab, um die wir uns eigentlich kümmern sollten, weil wir alle mit dem Kopf woanders sind.

CHRISTOPH HAß: Genau. Wir müssen die Hausaufgaben machen. Die Politik muss die Hausaufgaben machen, aber auch jeder Mittelständler muss die Hausaufgaben machen. Ich will niemandem zu nahe treten, aber wenn ich bei uns in die Unternehmen gucke: Wir haben manchmal schon bei uns Bürokratie. Ich frage mich: Wie kann das sein, dass ein Einkaufsprozess so lange dauert und so komplex ist? Das ist Wahnsinn.

ANDREA SPIEGEL: Und muss das so sein?

CHRISTOPH HAß: Muss das so sein. Das erlebe ich bei unseren Digitalfirmen, wenn die an Mittelständler etwas verkaufen oder ein Projekt machen. Das kann nicht sein, dass das so lange dauert. Deswegen wieder: selbst machen und Wettbewerbsfähigkeit. Ja, die Politik hat Hausaufgaben und da läuft vieles nicht gut, 100 Prozent d’accord. Aber bei unseren eigenen Unternehmen sind auch genug Herausforderungen.

ANDREA SPIEGEL: Ja, absolut. Können wir leider auch nicht sagen, dass wir überhaupt keine hätten.

ANDREA SPIEGEL: Jetzt beobachtet man oft in solchen Zeiten bei KMUs, dass Investitionsstopp verhängt wird oder Kosten gespart werden müssen, man eher abwartet als aktiv zu werden. Ist das für dich nachvollziehbar, oder sagst du, das ist genau das Falsche?

CHRISTOPH HAß: Ich glaube, wir müssen hingucken: Wo wollen wir investieren, in welche Bereiche? Wir müssen clever investieren. Gerade bei einem unserer Mittelständler wollen wir eher Themen ausbauen wie Robotics. Da macht es Sinn, zu investieren. Das wird auch Geld kosten – KI und so weiter. Ich glaube, das zahlt sich dann aus. Aber es muss sinnig und sinnvoll sein.

Die spannende Frage, die wir immer wieder diskutieren: Wir sprechen von diesem Wort ROI, Return on Investment. Was man aber auch fragen sollte: Okay, wir haben in der Theorie einen ROI da – ist der denn auch in der Praxis hebbar? Was meine ich konkret? Nur weil ich jetzt dieses digitale Tool eingeführt habe, heißt das nicht, dass ich die Hälfte meiner Mannschaft gehen lassen kann. Das kann ich gar nicht, arbeitsrechtlich. Ich muss die Frage stellen: Ja, ich habe einen theoretischen ROI, aber kann ich ihn wirklich heben? Diese Frage wird zu wenig diskutiert.

Von daher: Ich glaube schon, es wird investiert, es wird an den richtigen Stellen investiert, nicht einfach mit der Gießkanne. Unsere Challenge oder die unserer Beteiligung ist, die Kunden davon zu überzeugen, dass die Lösung Mehrwert bietet.

ANDREA SPIEGEL: Du hast gesagt, clever investieren, und das Schlagwort ist Robotics, KI. Inwiefern ist das für Mittelständler denn aktuell schon Realität, dass die sagen: Ja, ich habe genug Geld, Kompetenz, um zu bewerten, ist das für mich relevant? In welchen Bereichen? Welche KI kann man nutzen? Du sagst schon interne Prozesse – kann ich damit anfangen? Habe ich zum Kunden hin noch gar nicht groß was verändert, aber vielleicht intern? Wo setze ich da an, und was sind in deiner Wahrnehmung clevere Investitionen?

CHRISTOPH HAß: Ich würde versuchen, an zwei, drei Beispielen klarzumachen: Was ich merke, ist, dass viele Mittelständler zu stark im Operativen drin sind, zu sehr im Maschinenraum und haben gar nicht die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen, was clevere Investitionen bedeuten. Das ist eine Mindset-Frage: Wie gehe ich damit um? Wie sehe ich meine Rolle als Geschäftsführung?

Was sind jetzt Beispiele, wo ich Blockaden sehe? Wo ich momentan intern bei uns challenge: Wo baue ich jetzt eigentlich Personal auf und wo nicht? Ein konkretes Beispiel: Ich bin typischer Mittelständler – was ist eigentlich die Kernkompetenz? Was kann der, was nicht? Wenn wir von Digitalisierung und Software sprechen, ist die Kernkompetenz vermutlich nicht, wahnsinnig viele Softwareentwickler einzustellen.

Da muss ich mir die Frage stellen: Wo kann ich die extern für richtige Kosten holen? Wir haben beispielsweise eine große Beteiligung in Kroatien, wo super Job gemacht wird, andere Kosten dahinterstecken. Kann auch Indien sein. Aber da muss eine Offenheit, ein Mindset, eine Kultur sein, dass ich ein Team habe, was zur Hälfte aus Leuten besteht, die bei einer anderen Firma angestellt sind, aber trotzdem voll Teil des Teams sind.

Ich sehe es bei manchen unserer Firmen: Die kriegen das hin. Eine unserer Firmen hat es geschafft, bis zu 10, 15 Leute in einem Softwareentwicklungsteam komplett extern zu haben. Die fühlen sich wie Mitarbeitende dieser Firma. Das funktioniert super gut und mittlerweile sagt der Mittelständler: Die haben mich besser gemacht, nicht nur etwas abgearbeitet. Aber da sind ganz viele Mittelständler noch nicht. Das würde ich ganz klar hinterfragen und diskutieren: Wo stellen wir wirklich Leute ein?

Wir müssen diese Frage immer wieder diskutieren: Wo wollen wir zukünftig Teile fertigen? Machen wir das in Deutschland, machen wir das woanders? Ich will nichts gegen den Standort Deutschland sagen, aber man muss überlegen, mit den Lohnkosten und vielen anderen Themen: Wo macht es Sinn, das in Deutschland einzusetzen?

ANDREA SPIEGEL: Wie du sagst: Wenn man eine starke Kompetenz im Maschinenbau hat, setzt man da die teuersten und besten Leute drauf und das Thema eigene Software für die Maschinen lagert man vielleicht an eine andere Beteiligung oder Firma aus.

CHRISTOPH HAß: Genau. Das ist nichts Despektierliches, dass man in andere Länder geht. Ich glaube, wo sind wir gut, wo haben wir Stärken? Diese Frage – aber natürlich spielt die geopolitische Situation dagegen, weil da wird gerade eher an Eigenständigkeit appelliert. Wenn man aber an dieses Modell von Globalisierung glaubt und komparative Kostenvorteile, dann widerspricht sich das, was auf geopolitischer Ebene gerade passiert.

ANDREA SPIEGEL: Ja, absolut. Es gibt auch immer wieder die Frage: Wie können wir in Europa enger zusammenkommen? Ist das überhaupt nötig, oder muss jetzt eher jeder die Ellbogen ausfahren? Was ist da deine Haltung?

CHRISTOPH HAß: Ich glaube, wir müssen auf jeden Fall zusammenarbeiten. Ich würde niemals für Ellbogen tendieren, immer für das Gemeinsame. Wenn man an Europa denkt, muss man halt die Frage stellen, ob es richtig sein kann, dass ein kleines Land die gesamte Europäische Union blockieren kann. Das ist ein Erfolg für Demokratie, aber ich glaube, man muss sich die Frage stellen: Wenn mittlerweile so komplex und heterogen das geworden ist, ob bei strategischen Entscheidungen wie dem Mercosur-Abkommen ein, zwei, drei Leute den Unterschied machen sollten, sodass solche Sachen sich um Jahre ziehen. Da muss man nochmal drüber nachdenken, wie Mechanismen sind, weil das gefährlich werden kann.

ANDREA SPIEGEL: Wir haben jetzt über Investitionen, ROI gesprochen. Am Ende geht es auch um Geld, um Mehrwerte auf finanzieller Ebene. Ihr arbeitet auch mit Startups zusammen, die in dem Bereich unterwegs sind. Wie verändern sich die Investitionslogiken bei den Unternehmen? Es gibt geopolitischen Druck oder scheinbaren Druck, vielleicht ist es auch eine Ablenkung. Dann hast du das Thema, wie arbeiten wir in Europa zusammen. Und dann die einzelne Firma, die vielleicht gar nicht so sehr nach außen gucken kann. Inwiefern beeinflusst das die Wahrnehmung, worin sie ihr Geld investieren sollen? Was bedeutet das für die Lage?

CHRISTOPH HAß: Ich glaube, der große Begriff ist Fokussierung – Fokus der Investition. Wir erleben das im Mittelstand: Dass ganz viele Projekte nicht zu Ende gebracht werden. Man macht was, und ich glaube, da sich zu fokussieren – was sind jetzt die drei, vier Projekte, die wollen wir machen, die setzen wir um, da investieren wir. Diese Perspektive wird immer mehr.

Ich glaube, viele Mittelständler haben im letzten Jahr zu viele Projekte angefangen und nur halbherzig gemacht. Wenn ich aber hinter einem Projekt stehe, dann wirklich die Investition durchführen und umsetzen. Da hatte ich letztens ein spannendes Interview gelesen: Wir Deutschen sind dafür bekannt – ein Amerikaner hat gesagt – wir brauchen Ewigkeiten, eine Entscheidung zu treffen. Aber wenn wir sie dann entschieden haben, dann sind wir schneller in der Umsetzung als jeder andere auf dieser Welt.

Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber wenn ich an uns denke: Bei bestimmten Themen gibt es Geschwindigkeit, wo wir Sachen wirklich ins Machen bringen und in die Umsetzung. Aber wenn so viele Projekte sind, wenn es zu viel durcheinander geht, dann verliert man den Fokus. Man muss auch an sein Team gucken. Es gibt wenige Leute, die einfach ganz viele Bälle in der Luft halten können. Das ist für viele ein Riesenthema.

ANDREA SPIEGEL: Absolut. Multiprojektmanagement, man kennt es. Du hast gesagt, man sollte sich lieber auf drei oder vier Projekte maximal konzentrieren. Was wären da für dich aktuell die Themen, wo du sagst: Da würde ich all in gehen, wenn ich mir gerade überlege, wie ich mein Geld, das vielleicht nicht super flüssig ist, investiere?

CHRISTOPH HAß: Ich nenne mal zwei Themen. Das erste ist Effizienz. Ganz klar: Wo kann ich heben – KI, Automatisierung, da investieren. Hört sich vielleicht komisch an, aber Geld ist am Ende ein Tauschmittel. Wenn ich mir für 100 Euro eine KI-Lizenz hole und meinen Stundenlohn gegenrechne, dann kann ich das rechnen, ob das eine sinnige Investition ist. Von daher: Da wirklich dran gehen.

Das Zweite ist ganz entscheidend: Sich mit dieser Frage beschäftigen – was ist mein Geschäftsmodell und von wo wird es angegriffen? Ich glaube, in den letzten zwei, drei Jahren hat man sehr wenig darin investiert, weil man sich kein Geld genommen hat für Visionen. Datengetriebene Geschäftsmodelle, plattformorientierte Ideen – weg vom “wir verkaufen Maschinen” hin zu “wir vermieten, Pay-Per-Use-Modelle“.

Da müssen wir aufpassen, dass wir diese Sachen nicht vergessen, weil sonst sind andere viel schneller. Das heißt, ich würde auch gezielt weiter in Forschung und Entwicklung investieren und gucken, dass wir da Innovationen reinbekommen. Einerseits Kosten sparen über Effizienztreiber, sei es in der IT, sei es in anderen Bereichen und auf der anderen Seite in Forschung und Entwicklung.

ANDREA SPIEGEL: Das heißt im Umkehrschluss: Firmen, die in der aktuellen Lage besonders gut unterwegs sind, sind die, die in Forschung und Entwicklung, in ihr Geschäftsmodell, vor allem in ein digitales Modell – also reproduzierbares – und in Effizienz investieren? Oder gibt es noch andere Schlüssel, wo du der Meinung bist, das sind die Unternehmen bei denen läuft es jetzt gerade?

CHRISTOPH HAß: Man sieht es schon an den Unternehmen, wo eine höhere Forschungs- und Entwicklungskurve ist. Ich mache mir immer Sorge, wenn Unternehmen – man kann es recht gut ausrechnen in Gewinn- und Verlustrechnung, Controlling – einen Branchendurchschnitt ziehen, der dann perfekt stimmt. Aber wenn ich sehe, dass bei uns zu wenig dort rein investiert wird, wie sagt man so schön, die Zitrone zu doll gepresst wird, dann mache ich mir schon Sorgen. Das ist ein Punkt, daran sieht man es messbar ganz klar.

Bei diesen ganzen anderen Investitionen: Ich glaube, man muss es einfach machen, man muss es umsetzen, muss in diese Investitionsphase kommen und einfach umsetzen. Das ist ein wichtiger anderer Aspekt.

ANDREA SPIEGEL: Einfach umsetzen, das sagst du so leicht.

ANDREA SPIEGEL: Gibt es Tipps von deiner Seite, wo du sagst: So kommt ihr am schnellsten in die Umsetzung? Weil du gesagt hast, wir Deutschen tun uns vielleicht manchmal schwer, wirklich eine Entscheidung zu treffen. Dabei sagt man auch oft: Eine nicht getroffene Entscheidung ist schlechter als die falsche. Wie komme ich ins Handeln, in die Umsetzung?

CHRISTOPH HAß: Ich bin ein riesiger Fan von strukturierter Vorgehensweise. Das kommt vielleicht von meinem Background – wenn man ein paar Jahre in Beratung gearbeitet hat. Ich finde: Ich mache mir einen Plan, mache mir ein Ziel, und dann setze ich das konsequent um und mache das. Ja, wir haben es entschieden, wir haben es gesagt, wir machen es. Natürlich gibt es Iterationsschleifen und Sachen, wo man merkt: Das war doch nicht so, da müssen wir was verändern.

Aber was ganz viele nicht machen, ist dieses Zielbild und dieser Plan, wie ich dieses Zielbild erreichen will. Was muss ich dafür tun? Das immer wieder im operativen Tagesgeschäft nicht zu vergessen, ist sehr wichtig. Dann auch das zu kontrollieren: Bin ich da auf dem Weg? Wo passt das?

Was wir immer mit unseren Beteiligungen machen, sind zwei Übungen, zwei Ansätze strategischer Natur. Ich nenne das eine immer Road to Success: Wo müssen wir in drei bis fünf Jahren stehen? Das runtergebrochen auf wirklich ganz wenige Bullets – was muss passieren, damit wir erfolgreich sind, auf drei bis fünf Jahre. Dann machen wir für jedes Jahr sogenannte strategische Stoßrichtungen: Was sind jetzt die strategischen Stoßrichtungen in Produktentwicklung, im Vertrieb?

Dann gucken wir da drauf und nehmen Komplexität raus. Das ist ein recht einfaches Modell, nicht hochkomplex. Aber wenn ich das einfach mache, dann sehe ich, ob ich meine Ziele erreicht habe, auch strategischer Natur.

ANDREA SPIEGEL: Das heißt: Road to Success, strategische Stoßrichtungen pro Jahr definieren und das Ganze dann kontrollieren.

CHRISTOPH HAß: Das dann noch mit einem Zielbild kombinieren. Wo möchte ich hin? Für viele Leute ist das sehr schwierig. Ich nehme mir da immer ein bisschen Auszeit. Ich mache das ein, zweimal im Jahr, dass ich mir bewusst eine andere Perspektive reinnehme, mache das nicht aus dem Büro, sondern an einem anderen Ort. Ich schreibe mir auf: Wo möchte ich 2030, 2035 stehen? Und versuche eine andere Perspektive einzunehmen. Sich dafür bewusst Zeit nehmen, das ist wichtig. Dann sieht man auch, wo zahlt das drauf ein, wie hängt das alles zusammen. Es ist am Ende ein zweiseitiger Prozess der Planung und Umsetzung, der eng miteinander verbunden ist.

ANDREA SPIEGEL: Ich sage mal, es steckt auch prinzipiell in der aktuellen Lage ein Stück weit eine Chance, sich jetzt abzuheben. Würdest du das auch so sehen? Oder sagst du: Wir müssen schon gucken, dass alle dabei sind? Oder trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen?

CHRISTOPH HAß: Ich finde es mega die Chance. Das kann ich an meinem eigenen Beispiel sehen, sage ich jetzt mit voller Motivation: Ich bin seit ein paar Tagen in der Lage zu coden. Ich habe keine Ahnung von Code und ich habe mir eine eigene App gebaut. Was bedeutet das? Dass jemand, der keine Ahnung von Tech hat, auf einmal eine Software-as-a-Service-Lösung bauen kann, die funktioniert. Oder sogar gehen kann: Okay, ich baue sie vielleicht nicht bis zum Ende durch, aber ich kann sagen, so sieht es aus, so will ich es haben. Dann kann der, der es für mich umsetzt, auch zu einem ganz anderen Preis die Umsetzung fordern, weil ich weiß, wie schnell es geht. Da kommt auch Preisdruck.

Das heißt: Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr die Chance gehabt, durch Technologie so coole Sachen zu machen, so effizienter zu machen. Das ist eine gigantische Chance. Wir haben es alles in der Hand, ein Unternehmen zu automatisieren, zu digitalisieren. Aber es war noch nie so groß wie jetzt, weil auf einmal diese ganzen Tools – der letzte Schritt in den letzten Monaten, was KI-Veränderungen angeht, war ein Game-Changer.

Dieser ChatGPT-Moment, den immer alle hatten – da hat sich was verändert. Ich glaube, der war in den letzten Wochen noch viel größer. Man muss nur verstanden haben, was sich verändert hat.

ANDREA SPIEGEL: Ja, ich glaube, es wird jetzt auch klarer, dass ChatGPT nicht die Lösung für alles ist, sondern dass es verschiedene KI-Systeme gibt, die unterschiedliche Kernkompetenzen haben und dass es sinnvoll ist, die zu kombinieren.

CHRISTOPH HAß: Es geht vor allem, wie du richtig sagst: Es geht um Systeme und nicht das Tool dahinter. Ob das ChatGPT, Gemini ist – am Ende ist es ein Tool. Es gibt unterschiedliche Stärken, man muss aber das System dahinter verstehen, wie diese Systeme und Tools funktionieren. Dann kann ich mir sagen: Womit mache ich was und wie löse ich ein Problem? Ich habe wahnsinnig auf einmal die Chance, mich zu hebeln und was zu machen. Das ist genial.

ANDREA SPIEGEL: Das heißt, das wäre dein Tipp an Unternehmer: Wenn die sagen, ich kann jetzt gerade nur eine Sache machen – was wäre die eine Sache, wo du sagst, darauf würde ich Vollgas gehen?

CHRISTOPH HAß: Ich glaube, Unternehmen können wahrscheinlich mehrere Sachen machen. Aber wenn wir mal die Personen nehmen, würde ich sagen: Ich würde von jedem Geschäftsführer erwarten, dass die das können.

ANDREA SPIEGEL: Was genau können?

CHRISTOPH HAß: Sowas selbst zu bauen, solche KI-Modelle selber zu nutzen – nicht das Modell als solches, aber diese Tools wirklich anwenden können. Es kann nicht sein, und da kann sich keiner rausreden – da bin ich das beste Beispiel – zu sagen: Ja, ich lasse das irgendjemand machen. Diese Modelle – da gibt es immer mal wieder ein Problem, dann wird eine Verbindung von A nach B gelöst. Ich kann nicht jedes Mal jemanden anrufen, der mir meine Probleme löst. Ich muss es verstehen.

Ich finde, das ist so wie: Man muss verstehen, wie man eine Videokonferenz einschaltet – das musste man vor drei, vier Jahren verstanden haben, spätestens. Ich würde sagen: Heute muss man wirklich verstehen, wie man das richtig nutzt, sonst hat man echt Probleme. Der Gap ist ehrlicherweise viel größer, wir sind noch lange nicht da. Aber ich glaube, man muss es verstanden haben.

ANDREA SPIEGEL: Absolut.

ANDREA SPIEGEL: Hast du da vielleicht einen kleinen Tipp? Wie steigt man in das Thema KI-Anwendung richtig ein? Irgendwas, wo du sagst: Das wäre mal das Erste, was ich vielleicht auch für mich gebaut habe? Wo kann man da schnell was lernen und schnell einen Hebel bauen? Ich kann natürlich ChatGPT sagen: Mach mir mal einen 30-Tage-Plan, wie ich mich in KI einarbeite. Aber Erfahrungswerte sind auch Gold wert.

CHRISTOPH HAß: Ich glaube, wie ich es für mich gemacht habe: Da bin ich effizienter, ich kann mehr Sachen machen. Da sind wir beim Thema Wettbewerb, was der Titel des Podcasts ist. Wie kann ich mehr rausholen aus meinem Handeln täglich? Ich habe mich einfach gefragt: Was sind die größten Zeitfresser meines Tages? Was kostet mir persönlich am meisten Zeit?

Ich werde jetzt keine KI-Anwendung für Maschinen-Daten-Analysen bauen, das ist nicht mein Job. Aber für mein eigenes Wirken: Wo kann ich was machen? Ich habe für mich angefangen, eine digitale Assistenz zu bauen. Ich mache eine sehr intensive Weiterbildung, aber das ist nicht, dass die mich wahnsinnig coachen, sondern man muss es selbst machen.

Da sozusagen sich iterativ vorzupreschen, den nächsten Prozess anzugehen: Ich habe angefangen, dass ich E-Mails mit Klick automatisiert schreiben kann. Ich sitze abends nur noch auf dem PC und sage: Schreib das mal so und so, kümmere dich mal darum. Die KI weiß genau meine Sprache, meinen Ton, wie ich E-Mails schreibe. Das dauert dann – eine Mail, die vorher fünf bis zehn Minuten dauert, dauert jetzt noch eine Minute, nicht mal.

Die sind wirklich so gut, dass man nichts mehr ändern muss, weil es funktioniert. Das ist für mich, wenn ich so viele E-Mails schreibe, ein Produktivitäts-Game-Changer.

ANDREA SPIEGEL: Wie viel Zeit hattest du da jetzt von deinem ersten Antritt bis jetzt, wo du sagst: Jetzt habe ich wirklich die ersten relevanten Ersparnisse oder Effizienzen erreicht?

CHRISTOPH HAß: Ich würde für mich selbst sagen: Für mich ist das mittlerweile ein Hobby geworden, deswegen mache ich das, beschäftige mich da so viel. Aber ich glaube, die Effizienzgewinne gehen wahrscheinlich, wenn man diesen Prozess hat, nach einer Woche los.

Dann muss man aber – das ist natürlich das Wichtige, das war wieder ein Thema in der Umsetzung – wenn ich diese Tools habe, muss ich es auch machen. Ich muss meine eigenen Denkmuster verändern. Beispiel: Ich habe früher dieses Ganze mit Sprache agieren gehasst. Ich bin kein Freund von Sprachnachrichten, aber man ist mit Sprache wahnsinnig viel schneller.

ANDREA SPIEGEL: Ja und auch Intonation und alles spielt eine enorme Rolle.

CHRISTOPH HAß: Aber auch eine Mail oder sowas – eine Mail zu tippen oder einfach zu sagen “mach das” ist ein wahnsinniger Unterschied. Da ist es wichtig: Das Tool, der Prozess ist easy. Man muss dann selber sagen: Okay, ich schreibe diese E-Mail jetzt nicht selbst, ich spreche sie.

ANDREA SPIEGEL: Dann kann der Bot sie noch optimieren oder auf Schriftdeutsch umwandeln.

CHRISTOPH HAß: Genau, oder überhaupt aus der Sprache eine Mail machen. Aber ich glaube, was ich eigentlich sagen will: Dieser Prozess – mein persönlicher Automatismus ist, ich setze mich hin und tippe – den zu verändern, ich mache es jetzt mal anders. Und da sind, wenn Leute das seit 20 Jahren so machen, wie sie es jetzt machen, dann ist das natürlich schwierig.

ANDREA SPIEGEL: Da klemmt was im Kopf.

CHRISTOPH HAß: Genau.

ANDREA SPIEGEL: Sehr gut.

ANDREA SPIEGEL: Gibt es noch irgendwas zu dem Thema aktuelle konjunkturelle Lage und Chancen, die du siehst, die der Mittelstand ergreifen darf, kann, soll, muss jetzt? Oder sagst du, wir haben jetzt die wichtigsten groben Themen beleuchtet?

CHRISTOPH HAß: Ich glaube, neben den Themen – wo wollen wir investieren, wie kollaborieren wir, was wir über Technologie gesprochen haben – ist ein ganz entscheidender Faktor: Der Faktor Mensch. Das passt vielleicht ein bisschen gegen das Thema Technologie, aber ich glaube, wenn wir investieren wollen, müssen wir ganz entscheidend in Menschen investieren.

Wir müssen die richtigen Talente in unsere Unternehmen bekommen, damit die das dann auch machen. Das ist wirklich wichtig. Ich habe eben gesagt, ein bisschen gechallenged: Wo wollen wir einstellen? Wir brauchen an den richtigen Stellen Leute, die was managen, die auch das Mindset mitbringen. Da brauchen wir die richtigen Leute.

Wenn ich eine Führungskraft irgendwo in einem Team habe, die sagt: Nee, wir wollen das alles hier selbst machen, dann wird das nie funktionieren. Wenn ich aber da eine richtige Person installiere, die ein anderes Mindset mitbringt, die eigene Perspektiven reinbringt, wenn ich einen Teamleiter habe, der KI liebt, der wird sein Team da hinbringen. Wenn man das nicht so hat – der Fisch stinkt vom Kopf – dann hat man ein Problem.

Ich glaube, da müssen wir auch gezielt dran: Dass wir die richtigen Leute an den richtigen Stellen haben.

ANDREA SPIEGEL: Das schauen wir uns auf jeden Fall vielleicht dann gleich in der nächsten Folge noch an. Die drehen wir natürlich gleich jetzt im Anschluss. Das heißt, darauf dürft ihr euch schon mal freuen. Dann sage ich erstmal vielen Dank dir. Das waren schon mal sehr spannende Einblicke.

Wir haben gesprochen über die aktuelle konjunkturelle Lage, wie wir da gerade stehen, vor allem im Bereich Mittelstand, was es für typische Reaktionsmuster gibt, wenn außen rum laut und viel los ist. Dass man vielleicht nicht unbedingt in die Starre kommt und abwartet, sondern sich damit beschäftigt, was andere vielleicht anders machen und warum die erfolgreich sein können, obwohl es gerade nicht überall so rosig aussieht und wie man generell vielleicht die Neuausrichtung hinbekommt, anstatt in der Krise den Kopf in den Sand zu stecken.

Wir haben für euch noch eine kleine Spotify-Umfrage vorbereitet, schaut da gerne mal vorbei. Wir würden von euch gerne wissen: Wie reagiert euer Unternehmen denn aktuell auf die Konjunktur?

Erstens: Werden Investitionen zurückgestellt?

Zweitens: Fokussiert ihr euch auf Effizienz und Kosten?

Und drittens: Baut ihr neue Geschäftsmodelle auf? Da haben wir auch schon drüber gesprochen, warum das vielleicht eine coole Idee ist.

Und viertens: Seid ihr noch unklar oder eher im Modus abwartend?

Das würde uns sehr interessieren. Lasst uns da gerne eure Einschätzung da und stimmt in der Umfrage ab, damit wir mal gucken können. Christoph, vielen Dank für deine Zeit. Wir sprechen gleich nochmal über das Thema Personal, Automatisierung, was man da jetzt gerade akut tun kann. Du hast schon ein bisschen geteasert, das war sehr gut.

Wenn ihr noch Fragen habt zu der Folge, dann dürft ihr uns die natürlich gerne stellen – schreibt uns Kommentare oder Nachrichten bei LinkedIn oder kommt per Mail auf uns zu. Wenn ihr noch Ideen habt für weitere Themen, die euch gerade unter den Nägeln brennen, dann lasst uns das gerne wissen, dann nehmen wir die gerne in unsere Planung mit auf.

Genau, ich hoffe, euch hat die Folge gefallen, und ich würde sagen: Macht’s gut und bis zum nächsten Mal. Ciao.

Welche Idee steckt hinter der Multikommissionierung in der Lagerlogistik?

„Die Idee bei der Multikommissionierung ist auch da, eben solche Leerfahrten, Leerwege, egal ob jemand läuft oder eben fährt, zu vermeiden.“

Noch Fragen zu dieser Folge oder Themenvorschläge für weitere Folgen?

Nutze ganz einfach und unverbindlich unser Kontaktformular. Wir beantworten gerne deine Fragen und gehen auf individuelle Anfragen oder auch Themenvorschläge ein.

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