Automatisierte Lagersysteme
Lagerlifte in der Intralogistik: Wie vertikale Liftsysteme Platzprobleme im Lager lösen
Experte Christian Göbert von Kardex erläutert im Podcast, wann Lagerlifte eine sinnvoll Wahl sind
Geschätzte Lesedauer: 17 min
Automatisierte Lagersysteme
Experte Christian Göbert von Kardex erläutert im Podcast, wann Lagerlifte eine sinnvoll Wahl sind
Geschätzte Lesedauer: 17 min

Das Lager ist voll und Platzmangel an der Tagesordnung. Doch es fehlt nicht nur an Lagerfläche, um weiter zu wachsen, sondern auch an qualifiziertem Personal. Viele Unternehmen kennen dieses Szenario. Ein automatisierter Lagerlift kann hier gleich auf zwei Ebenen Abhilfe schaffen. Er schafft Platz, wo keiner mehr zu sein scheint, und entlastet Mitarbeitende spürbar bei ihrer täglichen Arbeit. Was genau dahintersteckt, ab wann sich die Investition in einen Lagerlift lohnt und wie Unternehmen den Wandel zur Automatisierung erfolgreich gestalten, erklärt Christian Göbert, Manager Sales Area bei Kardex, im Podcast „Zukunft KMU” von L-mobile.
Platzmangel und fehlendes Fachpersonal gehören zu den dringlichsten Herausforderungen in der Intralogistik. Ein Lagerlift löst beide Probleme: Er ersetzt große Mengen an Regalfläche platzsparend, indem er die volle Hallenhöhe ausnutzt, und entlastet Mitarbeitende spürbar bei der täglichen Kommissionierarbeit. Die Einführung eines Lagerliftsystems lässt sich schrittweise realisieren und ist in der Regel innerhalb von zwei bis drei Monaten abgeschlossen.
Viele Unternehmen wissen, dass sie ihre Intralogistik modernisieren müssten. Trotzdem geschieht häufig nichts. Der Grund: Angst. Angst vor dem falschen Investment, vor zu hohen Kosten und einem Projekt, mit dem das Unternehmen überfordert ist. Christian Göbert begegnet diesen Vorbehalten täglich. Seine Beobachtung ist eindeutig: „Da müssten sich die Unternehmen einfach mehr trauen. Wenn das Management sich wirklich mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter beschäftigen würde, würden sie ganz schnell feststellen, dass diese Investition sich schnell rechnen kann.”
Das Missverständnis ist oft darin begründet, dass Automatisierung als ein einziges Großprojekt betrachtet wird. Als etwas, das mit langen Projektlaufzeiten und einer hohen Risikobereitschaft einhergeht. Dabei sieht die Realität ganz anders aus. Die Einführung eines automatisierten Lagerliftsystems ist kein Transformationsprojekt. Es ist einer von vielen Schritten auf dem Weg zur automatisierten Logistik. Ein Schritt, mit messbarem Ergebnis.
Ein weiteres weit verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, Automatisierung sei nur etwas für Konzerne. Tatsächlich profitieren gerade kleine und mittelständische Unternehmen besonders stark davon, weil sie oft auf engstem Raum mit begrenzten Personalressourcen arbeiten — exakt die Situation, für die ein Lagerlift konzipiert ist.
Der häufigste Auslöser für die Investition in einen Lagerlift: Fehlender Platz im Lager. Christian Göbet beschreibt seine Erfahrungen: „Das mit Abstand größte Problem, das uns täglich bei den Kunden auffällt, ist der Platzmangel. Gerade Unternehmen, die gewachsen sind oder aktuell schnell wachsen, bekommen nach kürzester Zeit im Lager oder in der Produktion einfach Platzprobleme.”

Ein konkretes Beispiel aus seiner Beratungspraxis: Bei einem Kunden stand die gesamte Produktion voll mit manuellen Regalen. Die Gänge waren kaum noch passierbar, Erweiterungen der Montage nicht möglich. Es fehlte der Platz für Ersatzteile und Werkzeuge. Die simple Lösung: Die rund 350 m² manuelle Lagerfläche durch zwei bis drei Liftsysteme ersetzen, mit denen die vorhandene Hallenhöhe vollständig ausgenutzt wird. Statt in die Breite zu wachsen, wächst das Lager so in die Höhe.
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Der Fachkräftemangel ist ein zweiter zentraler Treiber. Qualifiziertes Lagerpersonal zu finden, wird immer schwieriger. Ein Lagerlift reduziert die körperliche Belastung der Mitarbeitenden, minimiert Laufwege und erleichtert den Kommissionierprozess. Das macht Stellen in der Logistik attraktiver und erleichtert die Einarbeitung neuer Mitarbeitender erheblich. Und das branchenunabhängig. Denn Lagerlifte eignen sich für den Einsatz in nahezu allen Branchen. Von der klassischen Produktion über E-Commerce und Pharma bis hin zu Halbleiter- und SMD-Anwendungen. Es gibt, wie Göbet betont, „eigentlich keine Branche, in der von uns kein Gerät steht.”
Bei Kardex stehen für rund 90% aller Anwendungsfälle zwei Systeme im Mittelpunkt: Das vertikale Liftmodul (VLM), auch Shuttle genannt, und der sogenannte Megamat, am Markt besser bekannt als Paternoster-Regal. Beide arbeiten nach dem Ware-zur-Person-Prinzip, unterscheiden sich aber in ihrer technischen Funktionsweise.
Beim vertikalen Liftmodul werden Tablare durch einen internen Lift automatisch zur Entnahmeöffnung transportiert. Das System ist äußerst flexibel: Auf einem einzigen Tablar lassen sich kleine und große Artikel ebenso lagern wie schwere Güter mit einer Zuladung von bis zu einer Tonne. Damit eignet es sich für ein breites Spektrum an Artikeln und Branchen.
| System | Funktionsprinzip | Besonderheit |
|---|---|---|
| Vertikales Liftmodul (VLM / Shuttle) | Tablare werden durch einen internen Lift angesteuert | Sehr flexibel. Kleine, große und schwere Artikel bis zu einer Tonne pro Tablar möglich |
| Megamat (Paternoster) | Träger umlaufen das System wie ein klassischer Paternoster-Lift | Ideal für enge Umgebungen durch seine schmale Bauform |
Der Megamat funktioniert anders: Hier umlaufen Träger das System – ähnlich wie bei einem klassischen Paternoster-Aufzug – und bringen die Ware zur Entnahmestation. Dieses System punktet besonders in sehr engen Umgebungen, da es baulich schmaler ausgelegt ist.
Die Entscheidung für das richtige System hängt somit von den Gegebenheiten vor Ort ab. Von der Deckenhöhe über die Artikelstruktur bis hin zur verfügbaren Grundfläche im Lager. Für Christian Göbert und sein Team bei Kardex ist deshalb der Ersttermin vor Ort so entscheidend. Denn: Erst wer die Lagerhalle gesehen hat, kann die richtige Empfehlung geben.
Der Einstieg in ein Lagerlift-Projekt ist deutlich unkomplizierter, als viele Unternehmen erwarten. Christian Göbet erklärt den typischen Ablauf bei Kardex: „Die Lösungsfindung beginnt gar nicht bei der Maschine selbst. Wir fahren mit unserem Team direkt vor Ort, damit wir uns die Prozesse beim Kunden anschauen können. Wenn man diese einmal betrachtet und ein bisschen hinterfragt, stellen die Kunden oft auch schnell selbst fest, wo es hakt.”
Das Kardex-Team besucht den Kunden, analysiert die Hallensituation, misst Deckenhöhen und prüft Rahmenbedingungen wie Brandschutz und Kabelführung. Eine besondere Vorbereitung seitens Kunden ist nicht notwendig. Wichtig ist lediglich, dass sich der Ansprechpartner ausreichend Zeit nimmt.
Über einen digitalen Konfigurator kann bereits beim Ersttermin innerhalb weniger Minuten eine erste Preisindikation genannt werden. Eine wichtige Grundlage für die interne Budgetplanung.
Nach Klärung aller Details vor Ort erstellt Kardex ein vollständiges Angebot. Dies geschieht in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Dank zweier Produktionsstandorte in Deutschland ist Kardex zeitlich sehr flexibel aufgestellt. Die Lieferzeit für die Lagerlifte beträgt nach Bestellung 10 bis 12 Wochen.
Deutschlandweit sind 20 Montageteams im Einsatz, die sich um die Inbetriebnahme der Lagerlifte kümmern. Ein Standardgerät ist in ein bis zwei Tagen aufgebaut und betriebsbereit.
Von der Erstberatung bis zur laufenden Maschine bedarf es in der Regel zwei bis drei Monate.
Schöpfen Sie das volle Potenzial aus Ihren Logistik- und Produktionsprozessen durch ganzheitliche Digitalisierung und Prozessoptimierung. Mit dem L-mobile Business Process Consulting bieten wir Ihnen ein breitgefächertes Beratungsangebot, um mit Ihnen maßgeschneiderte Konzepte für erfolgreiche Digitalisierungsprojekte zu erarbeiten und gemeinsam umzusetzen.
Christian Göbert empfiehlt seinen Kunden zunächst mit einem Lagerlift ohne Softwareintegration zu starten und das Ganze schrittweise zu erweitern: „Starten Sie erstmal klein und machen Sie Ihre Mitarbeiter mit der Lösung vertraut.“ Besonders für Unternehmen, die bisher rein manuell arbeiten und ihre Mitarbeitenden nicht sofort überfordern möchten, ist diese Vorgehensweise sinnvoll.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass eine vollständige Integration des Liftsystems für langfristige Effizienz im Lager unumgänglich ist. „Wenn Sie wirklich effizient und zukunftsorientiert arbeiten wollen, dann führt am Ende des Tages kein Weg an der kompletten Softwareintegration vorbei.” Die Anbindung an ein ERP- oder WMS-System wie L-mobile warehouse lässt sich jederzeit nachrüsten. Ist sie einmal umgesetzt, werden Aufträge vollautomatisch an die Maschine übergeben — der Mitarbeitende scannt seinen Auftrag und der richtige Behälter wird automatisch bereitgestellt.
Einer der häufigsten Fehler bei Automatisierungsprojekten: Mitarbeitende werden nicht in Entscheidungsprozesse involviert. Christian Göbet setzt auf einen anderen Ansatz, das sogenannte Intent-based Leadership (IBL): „Fragen Sie die Leute, die jeden Tag damit arbeiten müssen, wie es denn besser gemacht werden könnte. Diese Menschen stehen jeden Tag an der Front und wissen am besten, wie ein Prozess effizienter gestaltet werden könnte. Und wenn man den Leuten einfach mal zuhört und sie in die Lösungsfindung mit einbindet, dann nimmt man sie automatisch mit.”
Das gilt sowohl für die Entscheidung, einen Lagerlift anzuschaffen, als auch für die Einführung selbst. Kardex legt großen Wert darauf, dass bei der Produktauswahl neben den Entscheidern auch die späteren Anwender eingebunden werden. Wer das Gerät täglich bedient, soll das Gefühl haben, aktiv an der Lösung mitgewirkt zu haben, statt einfach nur etwas Neues vor die Nase gesetzt zu bekommen.

Die Mehrwerte für die Mitarbeitenden sind dabei klar spürbar. Kürzere Laufwege, weniger Fehler bei der Kommissionierung und eine deutlich entspanntere Arbeitsweise. Vor allem in Kombination mit einer Lagerverwaltungssoftware. Dadurch lässt sich beispielsweise die Kommissionierung mit einem Farb-System durchführen. Farben am Kommissionierwagen, dem Lagerlift und in der mobilen Lagerlösung führen den Mitarbeitenden intuitiv durch den Prozess.
Ein Lagerlift kann am Ende so auch als Impulsgeber wirken. Denn wenn Mitarbeitende sehen, dass ihr Feedback gehört wird und sich daraufhin etwas verändert, entsteht Vertrauen in weitere Veränderungsprozesse.
Zwei Entwicklungen in der Intralogistik werden laut Christian Göbert für mittelständische Unternehmen zunehmend relevanter und auch von Kardex derzeit stark vorangetrieben: Arbeiten in der Cloud und Robotik im Lager.
Cloudbasierte Softwarelösungen ermöglichen es Unternehmen, Lagerlifte ohne eigene IT-Infrastruktur zu betreiben. Kardex setzt für seine Liftsysteme hier auf eine Lösung basierend auf Microsoft Azure. Der Lagerlift benötigt somit lediglich einen Internetzugang. Prozesse werden direkt in der Cloud konfiguriert, Module lassen sich wie Apps hinzubuchen oder abbestellen. Das Abrechnungsmodell folgt dem gängigen Subscription-Prinzip. Der Vorteil: Überschaubare monatliche Kosten statt hoher Erstinvestitionen.

Robotik-Lösungen sind ebenfalls immer stärker in der Intralogistik vertreten. Bereits heute gibt es Lösungen, bei denen Roboter, die auf Fördertechnik oder Portalen vor den Liftsystemen positioniert sind, Artikel direkt aus den Tablaren kommissionieren. Besonders in Bereichen mit hochwertiger oder empfindlicher Ware, etwa in der Halbleiter- oder SMD-Handling, rechnet sich der Einsatz schnell. „Das Thema Mitarbeiterfindung ist in diesem Bereich einfach sehr schwer. Ist ein Roboter einmal installiert, arbeitet er rund um die Uhr, wird nicht krank und macht in 99,9 % der Fälle keine Fehler.“
Für KMU bedeutet das: Wer heute in einen Lagerlift investiert, legt den Grundstein für eine skalierbare Automatisierungsstrategie, von der ersten manuell bedienten Maschine bis zur vollintegrierten, cloudbasierten und teilweise robotergestützten Intralogistik.
Die Einführung eines Lagerlifts ist kein Großprojekt, sondern ein gezielter und schnell realisierbarer erster Schritt in Richtung automatisierter Intralogistik. Unternehmen, die unter Platzmangel, Fachkräftemangel oder ineffizienten Kommissionierprozessen leiden, können innerhalb weniger Monate spürbare Verbesserungen erzielen. Der Schlüssel liegt darin, den Bedarf zu erkennen, die richtigen Mitarbeitenden einzubinden und diesen ersten Schritt einmal zu gehen. Christian Göbet bringt es auf den Punkt: „Hört euren Mitarbeitern zu, verschafft euch selbst ein Bild von den täglichen Herausforderungen und seid mutig, den Invest zu tätigen.”
Was ist ein Lagerlift und wie funktioniert er?
Ein Lagerlift ist ein automatisiertes Lagersystem, das nach dem Ware-zur-Person-Prinzip arbeitet. Tablare oder Träger mit eingelagerter Ware werden automatisch zu einem Entnahmepunkt transportiert, sobald ein Auftrag ausgelöst wird. Vertikale Systeme, wie Shuttles oder Paternoster-Regale, nutzen die volle Hallenhöhe als Lagerraum und können auf einer sehr kleinen Gr
Für wen eignet sich ein Lagerlift?
Lagerlifte eignen sich für Unternehmen aller Größen und nahezu aller Branchen, z. B. in der Produktion, dem E-Commerce oder der Pharma- und Halbleiterindustrie. Besonders geeignet sind sie für Betriebe, in denen akuter Platzmangel herrscht, Fachpersonal fehlt oder die ihre Kommissionierprozesse effizienter gestalten möchten.
Wie lange dauert die Inbetriebnahme eines Lagerlifts?
Von der Erstberatung bis zur betriebsbereiten Maschine vergehen bei einem Kardex-Projekt in der Regel zwei bis drei Monate.
Muss ein Lagerlift sofort in ein ERP-System oder eine Lagerverwaltungssoftware integriert werden?
Nein. Lagerlifte können zunächst vollständig ohne Softwareintegration betrieben werden. Die Anbindung an ERP- oder WMS-Systeme, wie L-mobile warehouse, lässt sich jederzeit nachrüsten und ist dann die Voraussetzung für eine vollautomatisierte Auftragssteuerung.
Was kostet ein Lagerlift?
Die Kosten eines Lagerlifts hängen von Höhe, Konfiguration, Zuladung und Ausstattung ab. Kardex bietet bereits im Erstgespräch vor Ort eine erste Preisindikation über einen digitalen Konfigurator. Ein unverbindliches Beratungsgespräch, zum Beispiel mit den erfahrenen Beratern des L-mobile Business Process Consulting Teams, ist kostenlos und der einfachste Weg, um eine realistische Einschätzung für den eigenen Anwendungsfall zu erhalten.

Mustafa Mehmet Coratekin ist Geschäftsführer der L-mobile Business Consulting GmbH & Co. KG und Berater mit Leidenschaft. Er ist Experte für Prozessoptimierung in der Lagerlogistik und spezialisiert auf die Integration von automatisierten Lagersystemen und Technologielösungen. Seit rund 4 Jahren unterstützt er bei L-mobile Kunden bei der Einführung der Lagerverwaltungssoftware L-mobile warehouse.
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